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 Ein Weihnachtstraum für Oma Radtke - Presse zurück > 


06.11.1997
Kölner Stadtanzeiger

Die Rache des Waldtrolls
Puppenspielerin Petra Wolfram führte ihr Stück im Künstler Theater auf

Ehrenfeld - Die ersten Lebkuchen liegen in den Geschäften, Zimtsterne duften in den Bäckereien: Zeit für besinnliche stimmungsvolle Märchen, wie Puppenspielerin Petra Wolfram im Kölner Künstlertheateran der Stammstraße eines auf die Bühne brachte. Virtuos schlüpfte sie in die Rollen des von ihr geschriebenen Stücks "Ein Weihnachtstraum für Oma Radtke". So spielte sie die Studentin, die in der Fußgängerzone als Weihnachtsfrau jobbt, viele Kinder mit Geschenken beglückt, einen kleinen Waldtroll aber unglücklich macht.

Sie hat seine Wohntanne versehentlich als Weihnachtsbaum zweckentfremdet. Jetzt sinnt das Wesen mit den großen Ohren auf Rache, sperrt die Studentin in ihren Kleiderschrank und plant, alle Geschenke zu vertauschen. So kommt Oma Radtke, die seit zehn Jahren nur noch Spitzendeckchen bekommt, an einen Chemiebaukasten, den sie sich schon lange vergeblich gewünscht hat.

Gemeinsam macht sie sich mit dem Troll auf, um die restlichen Gaben zu verteilen. Nicht so, wie die Studentin dies vorgesehen hatte, sondern nach ihrem eigenen Plan. "Ich möchte die Kinder im Publikum unterhalten, aber auch für die Problematik des Schenkens sensibilisieren. Um jemandem eine Freude zu machen, muss man den Beschenkten kennen und sich Mühe geben", sagt Petra Wolfram.

Mit ihrer Bühne "Mimikry"
und den handgearbeiteten Figuren tourt die Puppenspielerin zunächst durch andere Kindertheater in Nordrhein-Westfalen. Im Theater an der Stammstraße ist sie mit ihrem Weihnachtsmärchen wieder am 15. Dezember um 10 Uhr zu sehen.



03.05.1997
Rhein-Lahn-Zeitung

Blau-grau ist mehr als eine Farbe
Die Bad Emser Kinder lernten viel über Fledermäuse und Völkerverständigung

Bad Ems Dos.
Was Menschen mit ihrer Unachtsamkeit anrichten können, erleben am Mittwoch nachmittag 30 Kinder im alten Rathaus in Bad Ems.

Wenn nämlich die Touristen das Feuer nicht hätten brennen lassen, dann wäre nicht alles abgebrannt. Und die blaue Berta hätte sich nicht verletzt. Aber anderseits: Den grauen Fledermausjungen Detmold hätte sie dann auch nicht kennen- und liebengelernt. Und das graue Fledermausbaby mit den blauen Punkten, lebendiger Beweis für Fledermausvölkerverständigung, wäre dann auch nicht geboren... Aber von vorne:
Aus dem alten Koffer, in dem alle ihre Erinnerungen stecken, zieht die Kölner Puppenspielerin Petra Wolfram ein blaues Tuch - und es verwandelt sich auf märchenhafte Art und Weise in diese wunderschöne Insel der blauen Fledermäuse, von denen sie eben erzählte. Eine ruhige friedliche Insel, auf der hunderte von Fledermäusen kopfunter in Höhlen ihren Winterschlaf halten und auf der auch Berta wohnt. Nur Berta will nicht schlafen. Da helfen auch die Überredungskünste des alten Krebses Katrin Krabbel nichts.

Eine große Leidenschaft hat Berta: Streichhölzer. Drei Stück besitzt sie davon, aber sie bekommt sie nicht zum Brennen. Deshalb will sie zu den Menschen fliegen, um eine Schachtel zu besorgen. Leichtflüglig macht sie sich (dank der Puppenspielerin) auf den Weg. Doch als sie zurückkommt ist Detmold da! Detmold ist grau. Und er hat ihre Streichhölzer ins Meer geworfen! Und er hat sich in Bertas Höhle zum Schlafen gehängt. Aber da hat er die Rechnung ohne sie gemacht!

Wütend schmeißt ihn Berta aus ihrer Höhle. Denn er ist grau. Doch selbst das wird ganz unwichtig, als die Menschen die Insel besuchen. Ruckzuck, raus aus dem Boot: Ein paar Steine aufgesammelt, ein paar kluge Sprüche, ein paar Pinkelpausen, schnell ein Feuer gemacht zum Würstchengrillen - alles treffend komisch beschrieben von Petra Wolfram vom Figurentheater Mimikry. Doch, oje, die Würstchen liegen noch im Hotel! Also ruckzuck wieder rein ins Boot. Und dass das Feuer noch brennt, wissen sie zwar - aber es ist ihnen egal...

Die rote Feuersbrunst droht, die Insel zu vernichten. Alle Bäume sind grau und tot, kein einziger Brummer, keine Motte lebt mehr. Und Berta ist schwer verletzt. Doch glücklicherweise helfen die Bad Emser Kinder sie wieder hochzupäppeln. Detmold fliegt einfach zu ihnen hin und zupft ihnen Flöhe aus dem Haar und bekommt dicke Fliegen von ihnen. Und schon bald geht es Berta besser. Und eigentlich ist die Höhle ja doch groß genug für sie beide... Und eigentlich ist Detmold (obwohl er grau ist) doch ein unheimlich netter Kerl...

Das Baby singt. Aber das können nur die Kinder hören, und auch die nur, wenn es ganz leise drumrum ist. Manche hören es an diesem Nachmittag. Und den anderen gibt das graue Fledermausbaby mit den blauen Punkten zumindes einen Nasenkuss zum Abschied.


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