|
Mit
der Aufführung "Urmel aus dem Eis" traf das Kölner Figurentheater
Mimikry beim Neumünsteraner Publikum voll ins Schwarze. Die
beiden Puppenspielerinnen Maren Lorenz und Petra Wolfram überzeugten
durch eine gelungene Inszenierung des vielfach bekannten und
ebenso beliebten "Urmel".
Als Kulisse diente eine natürlich und einladend wirkende Insel.
Liebevoll gestaltete Figuren erweckten die Begeisterung aller
Zuschauer. Petra Wolfram, durch eine Maske in die Rolle des
Urmel-Forschers Dr. Tibatong geschlüpft , stellte neben Stabfiguren
und Handspielpuppen die größte "Figur" dar.
Petra Wolfram, in Neumünster geboren und aufgewachsen, studierte
Kunst in Kiel und machte sich zusammen mit ihrer Partnerin
Maren Lorenz vor einigen Jahren mit dem Figurentheater "Mimikry"
zuerst in Freiburg und dann in Köln selbständig. In einem
Interview mit unserer Mitarbeiterin Helga Mumm-Becker beschreibt
die gebürtige Neumünsteranerin ihren Weg zur Puppenspielerin.
Wie
kamst Du auf die Idee, den Beruf der Puppenspielerin zu ergreifen?
"Anfangs war da eine Faszination für Marionetten, die ich
dann selbst gestaltet und gebaut habe. Ich habe das Marionettentheater
Fritz Fey in Lübeck kennengelernt, mich beworben und dort
in professioneller Umgebung gelernt, was alles zum Tätigkeitsfeld
der Puppenspielerin gehört. Hier lernte ich meine jetzige
Kollegin Maren Lorenz kennen."
Wann hast Du gewusst, dass Du ein eigenes Theater willst ?
Wie ist die sonstige Arbeitsplatzsituation im Puppenspiel
?
"Es gibt immer wieder freie Stellen, da die Fluktuation recht
groß ist. Leute , die einen künstlerischen Anspruch haben,
sich entwickeln und verändern, um neue Dinge auszuprobieren.
Feste Bühnen haben meist einen eigenen, gleichbleibenden Stil
oder sind auf bestimmte Stoffe spezialisiert, z.B. Märchen.
Das war auch für mich der Grund, am festen Theater aufzuhören,
um mit Maren Lorenz eine eigene Bühne aufzubauen. Wir wollten
unsere Vorstellungen umsetzen, ohne uns nach Vorgaben richten
zu müssen."
Die Kehrseite der Selbständigkeit ist doch auch die Unsicherheit
und dass sich der Erfolg bestimmt nicht sofort einstellt?
"Das ist richtig. 1984 gründeten wir das Figurentheater "Mimikry"
Freiburg, wo wir eine Marktlücke für Puppenspiel vermuteten.
Anfangs war es eher ein Marionettentheater, später wollten
wollten wir uns nicht mehr festlegen auf eine Figurenart,
da die Marionette in ihrer Bewegungsmöglichkeit sehr eingeschränkt
und für dynamische, schnelle Handlungen eher ungeeignet ist.
Meine Kollegin und ich mußten immer Jobs nebenbei haben, um
den Lebensunterhalt zu sichern, da das Theater keine Vollexistenz
bot. Erst seit drei Jahren haben wir ein gutes Auskommen."
|

Gibt
es ein Unterschied zwischen Puppenspiel für Kinder und für
Erwachsene, und ist der Anspruch ein anderer ?
"Ich glaube nicht. Wenn man Theater macht, in welcher Form
auch immer, dann sollte man versuchen, sein Bestes zu geben.
Schließlich nimmt man Eintritt dafür. Es ist wichtig, sein
Handwerk zu verstehen."
Was für Schwierigkeiten können während einer Inszenierung
auftreten?
"Die Geschichte eines Autors ist oft zu ausführlich, zu kompliziert.
Wir arbeiten die Essenz der zu spielenden Handlungen heraus.
Dann kann es natürlich technische Probleme mit Puppen geben,
dass sie z.B. nicht das tun, was sie sollen, dass sie zu bestimmten
Bewegungen nicht fähig sind. Das erfordert ein Umdisponieren,
manchmal auch konzeptionelle Änderungen. Ferner kann es "dramaturgische
Irrtümer" geben, was sich herausstellt mit dem Publikum, das
anders als erwartet reagiert. Die Erfahrungen gehen in unsere
Arbeit ein, wodurch ein Kinderstück nach ca. 20 bis 30 Aufführungen
"fertig" ist."
Was für Möglichkeiten bietet Dir das Figurentheater?
Die meisten Leute haben eine begrenzte Vorstellung davon,
nämlich, dass es ausschließlich für Kinder ist. "Das Puppenspiel
hat eine eigene Faszination und Magie, nämlich die Magie der
belebten Materie. Das ist Kindern bekannt, und Erwachsene
müssen es wieder entdecken. Die Pole-Poppenspäler-Tage in
Husum zeigen die Vielfältigkeit des Puppenspiels für Kinder
und Erwachsene. Für mich persönlich ist das Reizvolle an dem
Beruf, dass wir alles selber machen von der Requisite übers
Bühnenbild zur Figur. Nur für bestimmte Bereiche holen wir
uns Hilfe, z.B. für die Musik."
|