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 Die Insel der blauen Fledermäuse - Presse zurück > 


2001
Köln

Ein Appell an die Verantwortung
Das Stück "Die Insel der blauen Fledermäuse" begeisterte schon Vierjährige

Kalk - Die Bühne liegt im Halbdunklen. Aus dem Koffer hängt ein Stück blaues Tuch. Und wie von selbst und zum Erstaunen der Kinder erwächst aus dem Koffer eine kleine Südseeinsel, auf der Berta wohnt. Berta ist blau. Blau wie das Meer, und munter und quirlig wie der Wind. Berta ist eine Fledermaus und lebt mit ihren ebenso blauen Artgenossen auf der Insel. Neugierig, wie sie ist, will sie die Menschen kennen lernen, hat sie doch einige Streichhölzer, die sie nicht zum Brennen bekommt. Also macht sie sich auf, die Menschen zu suchen.

Das Stück "Die Insel der blauen Fledermäuse" für kleine Leute ab vier Jahren wurde im Bürgerzentrum Kalk aufgeführt und stammt von der Puppenspielerin Petra Wolfram. Ihre Ausbildung machte sie am Lübecker Marionettentheater, an dem sie auch Maren Winter kennen lernte. Gemeinsam gründeten sie das "Figurentheater Mimikry". Als Winter vor einigen Jahren nach Finnland ging, ließ Wolfram sich in Köln nieder und musste sich neue Kollegen für das "Mimikry" suchen. Die Regie bei diesem Stück führte nun Martina Hering.

Wolfram hat sich auf Tisch-, Stab- und Handfiguren spezialisiert. "Mit dieser Art von Puppen lässt sich ein Stück viel dynamischer gestalten", sagt die Puppenspielerin. "Ich kann viel besser meine Energie auf Figuren oder Materie übertragen." Mit Berta - die fliegt- flitzt sie immer wieder um den Koffer herum und wird dabei immer schneller und schneller. Die Kinder haben ihre helle Freude daran. Da wird gekichert und lauthals gelacht und dazwischengerufen.

Berta lacht allerdings nicht mehr, als sie nach erfolgloser Suche in ihre Höhle zurückkehrt und dort Detmold vorfindet. Zu allem Überfluss ist Detmold eine graue Fledermaus und hat ihre Streichhölzer ins Meer geworfen. Wutentbrannt und mit großem Gezeter schmeißt sie ihn aus ihrer Behausung. Dramatisch wird es, als durch verantwortungslose Touristen ein Feuer ausbricht. Die Flammen bedrohen den Lebensraum der Fledermäuse. Mit dieser Wendung wollte Wolfram den Blick auf unsere Umwelt richten und zeigen, wie wichtig es ist "Verantwortung selber zu tragen, anstatt sie immer an andere abzuwälzen". Berta ist schwerverletzt, doch Detmold kümmert sich rührend um sie, ebenso die Kinder, die ihr spontan "Flöhe und Brummer" anbieten, so dass sie bald wieder bei Kräften ist. Am Ende verlieben siech Berta und Detmold ineinander und bekommen eine kleines graues Fledermaus-Baby mit blauen Punkten, das den Kindern - wenn sie schön leise sind - zum Abschied einen Kuss auf die Nase gibt.
von Susanne Schanz



03.05.1997
Rhein-Lahn-Zeitung

Blau-grau ist mehr als eine Farbe
Die Bad Emser Kinder lernten viel über Fledermäuse und Völkerverständigung

Bad Ems Dos.
Was Menschen mit ihrer Unachtsamkeit anrichten können, erleben am Mittwoch nachmittag 30 Kinder im alten Rathaus in Bad Ems.

Wenn nämlich die Touristen das Feuer nicht hätten brennen lassen, dann wäre nicht alles abgebrannt. Und die blaue Berta hätte sich nicht verletzt. Aber anderseits: Den grauen Fledermausjungen Detmold hätte sie dann auch nicht kennen- und liebengelernt. Und das graue Fledermausbaby mit den blauen Punkten, lebendiger Beweis für Fledermausvölkerverständigung, wäre dann auch nicht geboren... Aber von vorne:
Aus dem alten Koffer, in dem alle ihre Erinnerungen stecken, zieht die Kölner Puppenspielerin Petra Wolfram ein blaues Tuch - und es verwandelt sich auf märchenhafte Art und Weise in diese wunderschöne Insel der blauen Fledermäuse, von denen sie eben erzählte. Eine ruhige friedliche Insel, auf der hunderte von Fledermäusen kopfunter in Höhlen ihren Winterschlaf halten und auf der auch Berta wohnt. Nur Berta will nicht schlafen. Da helfen auch die Überredungskünste des alten Krebses Katrin Krabbel nichts.

Eine große Leidenschaft hat Berta: Streichhölzer. Drei Stück besitzt sie davon, aber sie bekommt sie nicht zum Brennen. Deshalb will sie zu den Menschen fliegen, um eine Schachtel zu besorgen. Leichtflüglig macht sie sich (dank der Puppenspielerin) auf den Weg. Doch als sie zurückkommt ist Detmold da! Detmold ist grau. Und er hat ihre Streichhölzer ins Meer geworfen! Und er hat sich in Bertas Höhle zum Schlafen gehängt. Aber da hat er die Rechnung ohne sie gemacht!

Wütend schmeißt ihn Berta aus ihrer Höhle. Denn er ist grau. Doch selbst das wird ganz unwichtig, als die Menschen die Insel besuchen. Ruckzuck, raus aus dem Boot: Ein paar Steine aufgesammelt, ein paar kluge Sprüche, ein paar Pinkelpausen, schnell ein Feuer gemacht zum Würstchengrillen - alles treffend komisch beschrieben von Petra Wolfram vom Figurentheater Mimikry. Doch, oje, die Würstchen liegen noch im Hotel! Also ruckzuck wieder rein ins Boot. Und dass das Feuer noch brennt, wissen sie zwar - aber es ist ihnen egal...

Die rote Feuersbrunst droht, die Insel zu vernichten. Alle Bäume sind grau und tot, kein einziger Brummer, keine Motte lebt mehr. Und Berta ist schwer verletzt. Doch glücklicherweise helfen die Bad Emser Kinder sie wieder hochzupäppeln. Detmold fliegt einfach zu ihnen hin und zupft ihnen Flöhe aus dem Haar und bekommt dicke Fliegen von ihnen. Und schon bald geht es Berta besser. Und eigentlich ist die Höhle ja doch groß genug für sie beide... Und eigentlich ist Detmold (obwohl er grau ist) doch ein unheimlich netter Kerl...

Das Baby singt. Aber das können nur die Kinder hören, und auch die nur, wenn es ganz leise drumrum ist. Manche hören es an diesem Nachmittag. Und den anderen gibt das graue Fledermausbaby mit den blauen Punkten zumindes einen Nasenkuss zum Abschied.


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